Für die Genossenschaft Equienercoop Junglinster wird es schwieriger, rentable Fotovoltaikanlagen zu planen

VON VOLKER BINGENHEIMER

Politiker sind seit Jahren voll des Lobes für die Bürgergenossenschaft Equienercoop. Doch angesichts sinkender Vergütungen für Solarstrom sieht sie wenig Spielraum für zukünftige Projekte.

Vom Boden aus ist nichts davon zu sehen, doch aus der Vogelperspektive glänzt das Dach des Sportzentrums „Op de Fréinen“ in Junglinster im metallischen Blau der Solarmodule. Mit der Anlage hat die Energiegenossenschaft Equienercoop ihr zweites Projekt verwirklicht. Die letzten Arbeiten wurden vor Kurzem abgeschlossen.

Strom produziert die Fotovoltaikanlage auf der neuen Sporthalle aber schon seit Dezember 2017. Jules Muller, Präsident von Equienercoop, freut sich über den grandiosen Sommer dieses Jahr, in dem die Sonne monatelang ungetrübt schien. „Wir haben voll davon profitiert“, freut er sich. „Wir wissen, dass die Anlage gut läuft.“

Auf dem Dach der Sporthalle können die Sonnenstrahlen un- gehindert auf die um 15 Grad geneigten Solarmodule scheinen, ohne dass Gebäudeteile oder technische Einrichtungen Schatten werfen. Mit der Leistung von knapp 200 Kilowatt in der Spitze will die Genossenschaft auf eine Jahresproduktion von 184 000 Kilowattstunden kommen.

Genossenschafter legen Geld zusammen

Finanziert wurde die grüne Stromfabrik auf dem Hallendach durch eine Anleihe bei 60 Genossenschaftsmitgliedern. Nahezu alle von ihnen sind Bürger der Gemeinde Junglinster oder haben früher dort gewohnt. Die Geldgeber erhalten 1,5 Prozent Zinsen und bekommen ihren Betrag über die Dauer von 15 Jahren zurückgezahlt. „Reich wird man von dieser Verzinsung nicht, aber die meisten Genossenschafter wollen damit eher ein Zeichen für erneuerbare Energien setzen“, sagt Jules Muller.

Die Anschaffung der Anlage und der Einbau haben rund 210 000 Euro gekostet. Gar nicht so einfach war es für Equienercoop, die Anlage so zu planen, dass sie rentabel betrieben werden kann. Als Genossenschaft konnte Equienercoop nicht in den Genuss der höheren Einspeisetarife für Privatleute kommen.

Erst nach Änderungen der Statuten bekamen die Genossen aus Junglinster den für Energiekooperativen gültigen Einspeisetarif von 14,3 Cent pro Kilowattstunde für 15 Jahre zuerkannt. Günstig wirkte sich auch der Start im Dezember 2017 aus, denn jedes Jahr im Januar sinken die Vergütungen. Gerade für Kleinanlagen wie die auf der Sporthalle stellen die zurückgehenden Tarife ein wirtschaftliches Hindernis dar, sagt Jules Muller.

Für Nachahmer des Modells wird es schwer

„Wir stehen finanziell gut da, weil wir noch 2012 mit einem Fotovoltaikprojekt angefangen haben, als der garantierte Einspeisetarif noch höher war. Aber für neue Kooperativen, die das Gleiche vorhaben, sehe ich kaum Chancen“, meint Jules Muller. Jahrelang war die Genossenschaft aus Junglinster landesweit als Vorbild für bürgerschaftliches Engagement in erneuerbare Energien präsentiert worden. Auch im Müllerthal und im Ösling wollten sich nach dem Beispiel von Equienercoop ähnliche Zusammenschlüsse gründen – bisher ohne konkretes Ergebnis.

Wenn Luxemburg mit seinen geringen verfügbaren Flächen sich mehr und mehr selbst mit erneuerbarer Energie versorgen will, geht laut Jules Muller trotzdem kein Weg an Kleinanlagen vorbei. Sie müssten nur besser gefördert werden, meint er. Im Moment speisen die Besitzer der Anlage den produzierten Strom zu einem festen Tarif ins öffentliche Netz ein. Denkbar wäre, dass selbst erzeugter Strom für den Eigenverbrauch von Steuern und Abgaben befreit wird, regt der Genossenschaftspräsident an. Zumindest an den Kosten für die Standfläche auf dem Sporthallendach spart die Kooperative: Die Gemeinde als Eigentümerin überlässt ihr die Fläche für einen Euro pro Jahr.

Auch für die Zukunft können sich die Energietüftler aus Junglinster ähnliche Projekte vorstellen. Zwar wurde eine Fotovoltaikanlage auf den Dächern der Jong Mëtt mangels Rentabilität nicht zurückbehalten. Ein zweites Vorhaben auf der geplanten Maison relais in Junglinster ist in Prüfung.

Luxemburger Wort vom Donnerstag, 29. November 2018, Seite 23
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